Kunststoffabfall bewältigen – Herausforderungen und Lösungen

Perspektiven

Von Philippe Ducom, President, ExxonMobil Europe. Aus dem Englischen übersetzt. 

Wenn ich gefragt werde, was ich beruflich mache, dann greife ich normalerweise auf die einfache Antwort „Ich bin Ingenieur“ zurück. Ich arbeite daran , Lösungen zu finden. Denn das ist es, was wir Ingenieure tun: Wir nutzen unser technisches Know-how, um Produkte und Prozesse zu verbessern, neue Technologien zu entwickeln und Lösungen für komplexe Herausforderungen zu finden. Nehmen wir beispielsweise die Problematik von Kunststoffabfällen.

Die Problematik von Kunststoffabfällen

Kunststoffe sind die Bausteine für viele der Produkte, die wir im Alltag verwenden. Von den Laufbahnen, auf denen olympische Athleten neue Rekorde brechen, bis hin zu Schuhen, Bekleidung und Schutzausrüstung, die sie tragen, setzt der moderne Sport auf Kunststoffe. Von einfachen Kabeln über Smartphones bis hin zu Haushaltsgeräten – viele Dinge, die wir täglich verwenden, setzen auf innovative neue Kunststoffe.

Kunststoffe sind zudem wichtige Komponenten für viele lebensrettende Produkte in der Medizinbranche, einschließlich Gesichtsmasken, Schilde und Kleidung für medizinische Fachkräfte, die Patienten mit COVID-19 und anderen Erkrankungen behandeln. Und dies sind nur einige Beispiele.

Dennoch haben weltweit mindestens drei Milliarden Menschen keinen Zugang zu kontrollierten Abfallentsorgungseinrichtungen. Infolgedessen gelangt eine beträchtliche Menge an Feststoffabfällen – einschließlich, aber nicht beschränkt auf Kunststoff, in die Umwelt. Es ist nicht möglich, das Potenzial von Kunststoff voll auszuschöpfen, wenn es in den Ozeanen oder in der Umwelt landet.

Ich teile die Sorge der Gesellschaft über Kunststoffabfälle in der Umwelt. Wir müssen handeln! Kunststoffe haben während ihres gesamten Lebenszyklus einen Wert, auch am Ende ihrer Lebensdauer. Und genau hier setzen Ingenieure an: Wir nutzen unser technisches Know-how, unsere kreative Anwendung wissenschaftlicher Prinzipien und neue Technologien, um den Wert von Kunststoffen voll auszuschöpfen.

Die Bereitstellung einer wertvollen Nutzungsplattform für Kunststoffabfälle ist eine Möglichkeit, das Sammeln und Sortieren von Kunststoffabfällen zu fördern, doch es sind Technologielösungen erforderlich, um diesen Wert zu maximieren. Und damit meine ich innovative Technologien wie fortschrittliches Recycling, bei dem Kunststoffabfälle in ihre molekularen Bausteine zerlegt werden, die nach erneuter Zusammenführung anschließend als recycelter Kunststoff Anwendung finden, der in seinen Eigenschaften einem neuwertigen Kunststoff entspricht.

Doch Engineering ist mehr als nur die Entwicklung von Technologien. Lassen Sie mich das an zwei Beispielen im Zusammenhang mit ExxonMobil erläutern: Atando Cabos und die Alliance to End Plastic Waste.

Atando Cabos

In der argentinischen Region Patagonien verunreinigten ausrangierte Kunststoffseile für die Fischerei die Strände. Mehrere Gruppen schlossen sich zusammen und riefen das Projekt Atando Cabos ins Leben, das ein ganz einfaches Ziel verfolgte: die Seile zu sammeln und zu hochwertigen Produkten zu recyceln. Was oft sehr simpel klingt, ist in der Realität jedoch nicht so einfach. Die Aufräumcrews stellten fest, dass die Seile aus zwei inkompatiblen Materialien hergestellt waren, die nicht kombiniert und auch nicht getrennt werden konnten. An diesem Punkt kam ExxonMobil ins Spiel.

Wir arbeiteten mit Atando Cabos zusammen und fanden heraus, dass die Materialien im Seil miteinander kompatibel und vollständig recycelbar wurden, wenn wir der Materialkombination unsere Vistamaxx-Hochleistungspolymere hinzufügten. Nun werden die ausrangierten Seile zu hochwertigen Endprodukten wie Kisten verarbeitet. In nur einem Jahr wurden auf diese Weise mehr als 1.000 Tonnen Seil recycelt.

Die Alliance to End Plastic Waste

ExxonMobil ist Gründungsmitglied der Alliance to End Plastic Waste, die sich auf die Entwicklung sicherer, skalierbarer und wirtschaftlich rentabler Lösungen zur Entsorgung von Kunststoffabfällen in der Umwelt konzentriert. Die Mitgliederzahl ist auf fast 50 Organisationen aus der ganzen Welt angestiegen, die die chemische Industrie, Abfallbewirtschaftungsunternehmen und Verbrauchermarken vertreten. Die Alliance will zusätzliche Investitionen beschleunigen, indem sie die Wirksamkeit dieser Lösungen unter Beweis stellt, insbesondere in den Märkten mit den meisten Kunststoffabfällen.

Zusammenarbeit

Wir bei ExxonMobil sind uns der Problematik von Kunststoffabfällen in der Umwelt bewusst und ergreifen Maßnahmen, um diese anzugehen, indem wir die Recyclingfähigkeit von Kunststoffen erhöhen, Verbesserungen bei der Verwertung von Kunststoffabfällen unterstützen und an technologischen Lösungen arbeiten. Um diese Herausforderung erfolgreich bewältigen zu können, ist es für Industrie, Regierungen, Verbraucher und andere Beteiligte von entscheidender Bedeutung, zusammenzuarbeiten, um Kunststoffprodukte angemessen zu sammeln, zu sortieren, zu recyceln und zu verwerten. Alle Bereiche der Wertschöpfungskette müssen sich auf das konzentrieren, was sie am besten können. Für uns, ein Unternehmen aus Ingenieuren und Wissenschaftlern, bedeutet das, mit Hilfe unserer technischen Expertise und Erfahrung praxisnahe Lösungen anzubieten – und das machen wir seit mehr als 135 Jahren mit Erfolg.

Ich bin davon überzeugt, dass wir gemeinsam die Teile des Puzzles zusammensetzen können. Wir können weiterhin von den Vorteilen von Kunststoffen profitieren und gleichzeitig verhindern, dass Kunststoffabfälle in die Umwelt gelangen.

Tags:   Alliance to End Plastic WasteAtando CabosKunststoffabfallPhilippe DucomRenewOceansVistamaxx
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