Kann Ihr Auto mit Biokraftstoff fahren?

Wissenschaft und Technologie

Zunächst stellt sich die Frage, was Biokraftstoff eigentlich ist. Im Wesentlichen handelt es sich bei Biokraftstoff um einen erneuerbaren Kraftstoff auf organischer Basis – wie Weizenstroh, Zuckerrüben oder sogar Algen –, der als Alternative zu Benzin oder Diesel verwendet werden kann.

Wie wird Biokraftstoff hergestellt?

Einige Biokraftstoffe werden aus speziell angebauten Pflanzen hergestellt. In Europa werden wegen ihres hohen natürlichen Energiegehalts am häufigsten Weizen, Mais, Zuckerrüben, Raps und Sojabohnen verwendet. Der Anbau von Nutzpflanzen zur Gewinnung von Biokraftstoff birgt jedoch den Nachteil, dass dafür wertvolle landwirtschaftliche Flächen verbraucht werden, die eigentlich für den Anbau von Nahrungsmitteln benötigt werden.

Um dieses Problem zu lösen, erforscht ExxonMobil gemeinsam mit anderen Akteuren, wie sich Biokraftstoff herstellen lässt, ohne dass dadurch eine Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion entsteht. Eine Möglichkeit hierfür ist die Gewinnung von Biokraftstoffen auf Zellulosebasis durch Nutzung von landwirtschaftlichen Reststoffen wie Weizenstroh. Auf diese Weise werden Ernterückstände genutzt und es werden keine weiteren Anbauflächen benötigt.

Eine weitere Möglichkeit, an der wir arbeiten, ist die Entwicklung von Biokraftstoff aus Algen. Algen können in Abwasser und Brackwasser gezüchtet werden – und sogar zur Reinigung von Abwasser verwendet werden, sodass weder landwirtschaftliche Nutzfläche noch Süßwasser verbraucht werden.

Welche Autos können Biokraftstoffe verwenden?

Die meisten (fast alle nach 2002 gebauten) Autos können bleifreies Benzin verwenden, das mit relativ geringen Mengen Bioethanol – ein gängiger Biokraftstoff – versetzt wurde, ohne dass hierfür Modifikationen am Motor erforderlich sind.

Falls Sie in Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Finnland oder Belgien wohnen und Auto fahren, ist es wahrscheinlich, dass Sie Ihr Auto bereits mit Biokraftstoff betankt haben. Bleifreies SP95-E10, aufgrund des Bioethanolgehalts von 10 Prozent auch als „E10“ gekennzeichnet, ist auf dem europäischen Festland weit verbreitet. Im September 2017 war E10 der meistverkaufte Kraftstoff in Frankreich.

Seit über zehn Jahren wird Benzin in Großbritannien mit bis zu 5 Prozent Bioethanol versetzt. Vor Kurzem wurde für diesen Kraftstoff die Bezeichnung „E5“ eingeführt. Britischer Diesel enthält bis zu 7 Prozent Biodiesel und wird als „B7“ gekennzeichnet.

An vielen Zapfsäulen in Europa enthält Benzin kleine Mengen Biokraftstoff, wobei die Menge jeweils angegeben ist. Beispielsweise enthält Diesel in Großbritannien bis zu 7 Prozent Biodiesel und wird seit Kurzem als „B7“ bezeichnet.

An einigen europäischen Tankstellen ist auch ein als „E85“ gekennzeichneter Kraftstoff erhältlich. Dieser enthält bis zu 85 Prozent Bioethanol und 15 Prozent Benzin, kann jedoch nur von „kraftstoffflexiblen“ Fahrzeugen verwendet werden. Das bedeutet, dass er nicht für normale Fahrzeuge ohne Motormodifikationen geeignet ist. Bleifreie Bioethanol-Benzinmischungen sind in Brasilien beliebt, wo 80 Prozent der Leichtfahrzeuge mit kraftstoffflexiblen Motoren ausgestattet sind.

Biodiesel aus Algen kann von herkömmlichen Dieselfahrzeugen verwendet werden, ohne dass größere Änderungen an Motoren oder Infrastruktur erforderlich sind. Bis zur kommerziellen Reife von Biodiesel aus Algen ist es jedoch noch ein weiter Weg. Aktuell lässt sich nur konstatieren, dass die Forschungsarbeiten reibungslos vorankommen.

Tags:   algaealgenbiodieselbioethanolBiokraftstoffBiokraftstoff auf ZellulosebasisE10E85
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